Charlotte's Gap Year

...in Norwegen!

Gap Year - ein wichtiger Lebensabschnitt meist junger Menschen.

Hey! Wusstest du, dass ein Gap Year eine mega coole Möglichkeit ist, um die Welt zu erkunden? Wir haben Charlotte mit 500 € unterstützt, damit sie ihr Gap Year in Norwegen verbringen kann. Sie teilt regelmäßig ihre Erlebnisse und Eindrücke mit uns - das ist genial!

Part 1

„Hei :) ich bin Charlotte, 18 Jahre alt und mache gerade einen Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) im Camphill Solborg im wunderschönen Norwegen.

Als ich im Frühjahr 2023 mein Abitur in der Hand hielt, war ich unfassbar glücklich & stolz, aber auch ziemlich überfordert. Ich hatte mir zwar schon lange Gedanken gemacht ob und was ich genau nach der Schule studieren wollte, aber so richtig wohlgefühlt habe ich mich mit keiner der Optionen, die ich herausgesucht hatte, deswegen beschloss ich ein Freiwilliges Soziales Jahr beziehungsweise ein GapYear zu machen. Da ich etwas Sinnvolles tun wollte, etwas mit Mehrwert und dabei am besten noch eine neue Sprache, sowie Kultur kennenlernen wollte, entschied ich mich für ein IJFD oder auch FSJ im Ausland.

Norwegen fand ich als Land schon länger faszinierend, außerdem wollte ich einmal so richtigen Winter und Schnee erleben, somit war der Entschluss gefasst, ich würde mich nach Freiwilligenstellen in Norwegen umsehen.

Nach einiger Recherche stieß ich auf die“ Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.“, eine Organisation, die genau solche Stellen vermittelt. Nachdem der Bewerbungsprozess bei der Organisation erfolgreich abgeschlossen war, bekam ich Zugriff auf Stellenangebote von Anthroposophischen Einrichtungen weltweit. Ohne Erfahrung mit der Anthroposophie habe ich mich bei einem Camphill beworben, einer Einrichtung, die sich dem Zusammenleben und Arbeiten von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung widmet.

Innerhalb weniger Wochen habe ich ein Bewerbungsverfahren durchlaufen und auch eine Zusage erhalten!

Total aufgeregt wusste ich nun, ich könnte ab August für ein Jahr in Norwegen leben, jetzt musste ich nur noch das Finanzielle klären. Ich baute einen Unterstützerkreis auf, der mir half, die benötigten 3200€ aufzubringen. Unter anderem unterstützte mich auch die VR Bank Westthüringen eG mit 500€ und ermöglichte mir dadurch meinem Vorhaben näher zu kommen.“

Part 2

Wir haben News aus #norwegen Von einer holprigen Anfahrt, Verständigungsproblemen und einem super durchgeplanten Alltag. Charlotte bringt uns das Leben im Camphill Solborg näher.


„Meine Ankunft in Norwegen war etwas holprig. Nach einer Flugverspätung verpasste ich meinen Bus und kam erst um 22 Uhr statt 17 Uhr in meinem Zuhause für das nächste Jahr an.
Ich wusste, dass ich in einem Haus zusammen mit einem weiteren Freiwilligen, sowie drei Bewohner, meiner Hausmutter und ihrer sechs jährigen Tochter wohnen würde, als ich jedoch ankam waren noch die Freiwilligen aus dem vorherigen Jahr da, weshalb ich die ersten zwei Wochen im Gästehaus wohnte. Glücklicherweise war dies jedoch direkt neben dem Haus in dem ich arbeitete :)
Die ersten Wochen waren total aufregend, der Ort, neue Menschen und eine Sprache, die sich trotz meines Versuchs diese vorher zulernen als Schwierigkeit herausstellte.  Während Apps und Bücher einem beibringen in Cafés zu bestellen und die Farben des Regenbogens aufzuzählen, ging es hier viel um alltägliche Sachen, wie Klamotten an und auszuziehen und Bedürfnisse, wofür mir einfach die Vokabeln fehlten. Das war aber nicht schlimm, denn abgesehen davon, dass alle Mitarbeiter Englisch sprechen sind die Dörfler total geduldig und helfen mit Händen und Füßen die Kommunikation zu erleichtern. Ein Bewohner meines Hauses zeigt immer auf Dinge und sagt dann, wie diese auf Norwegisch heißen und das so oft bis er zufrieden mit meiner Aussprache ist. Generell ist es total beeindruckend wie viel Kommunikation trotz der Sprachbarriere funktioniert :).

Sehr hilfreich war am Anfang auch die Präsenz der Freiwilligen des vorherigen Jahres, sowie der Besuch einiger ehemaligen Freiwilligen, bei denen wir einfach „mitlaufen“ und einige Phrasen und Worte aufschnappen konnten.

Der Alltag hier ist total durchgeplant, dies ist der Fall um den Menschen, die hier wohnen den Alltag zu erleichtern. Routinen geben Sicherheit.
Die Tage sind folgendermaßen aufgebaut:

8:45: Morgenversammlung -das ganze Dorf kommt zusammen und wichtige Informationen über den Tag werden   weitergeleitet

9-12:  Beginn Morgenworkshops

12-14 Mittagspause mit Mittagessen (wird von Mitarbeitern zusammen mit Bewohner:innen gekocht)

14-17: Nachmittagsworkshop

17:30: Abendbrot

Danach macht jedes Haus unterschiedliche Dinge, aber über kurz oder lang machen sich alle bettfertig und gegen 20 Uhr sind alle im Bett.
Diese strickte Routine erleichtert den Einstieg sehr und erlaubt den neuen Mitarbeitern (uns) ziemlich schnell ziemlich viel allein zu übernehmen.“

Part 3

Warum in Waldorf Schulen doch nicht nur der Name getanzt wird und was #anthroposophisch bedeutet… Charlotte erklärt was ein Camphill ist und bringt uns den #freiwilligendienst in Norwegen näher

„Hei :)
 Camphills sind anthroposophische Einrichtungen und ehrlich gesagt habe ich mir darüber vor dem Dienst kaum Gedanken gemacht. Ich wusste nichts über Rudolf Steiner, Karl König oder genaueres über Waldorf Schulen (abgesehen vom Klischee des Namen Tanzens). Deswegen finde ich es total toll mitzuerleben, wie die Anthroposophie hier in Solborg im Alltag stattfindet. Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich in einer… naja einer Sekte lande. Ein Ort an dem ganz strickt nach den Regeln von Steiner (was auch immer diese hätten sein mögen) gelebt wird und die Menschen an diesem Ort auch total spirituell sind. Zu meiner Erleichterung ist es ganz anderes gekommen. Statt strikten Regeln ist die Anthroposophie eher eine Einstellung, die das Zusammenleben begleitet. Die Menschen hier sind total offen, das begeistert mich sehr.

Das Zusammenleben wird auch immer besser, Norwegisch klappt super (dank 6h Unterricht in der Woche) und mittlerweile kann ich ganze Unterhaltungen auf Norwegisch. Darauf bin ich ziemlich stolz :)
Norwegen zeigt sich so langsam von seiner kalten Seite, es schneit, die Temperaturen sinken stetig (-10 Grad) und es ist eisig !!
Wir haben diesen Monat einen Glatteis-Fahrkurs gemacht und das war super lustig. Wir haben driften und bremsen auf Eis geübt, um ein Gefühl dafür zubekommen wie es sich anfühlt, wenn man dann doch mal die Kontrolle verliert & wie man dann reagieren sollte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das die Monate noch brauche, denn es wird noch deutlich mehr schneien.“

Part 4

Wie die Nordlichter 60 Fremde zusammenführten. Charlotte nimmt uns auf ihrem #gapyear in #norwegen mit.

„Hei- im November hatten wir ein Seminar mit allen Freiwilligen aus Norwegischen Camphills, insgesamt waren wir 60 junge Menschen. Es war schön so viele neue Leute kennenzulernen, vor allem weil wir immer irgendwas gemeinsam hatten.

Wir haben Übungen zum Erkennen und Kommunizieren von persönlichen Grenzen gemacht, Diskussionsrunden geführt und gehört, die sich mit den verschiedenen Rollen von Menschen in Camphill Einrichtungen beschäftigen und haben Volkstänze getanzt. Ich habe es anfänglich nicht erwartet, aber es hat total viel Spaß gemacht. Besonders schön war der Samstag; nach einem mit Programm vollgepacktem Tag sahen zwei Freiwillige Nordlichter, in blitzschnelle Waren alle Teilnehmer informiert und dann standen wir da- 60 Fremde einander in den Armen liegend, weil wir diesen besonderen Moment teilten. Es war so verrückt, Nordlichter waren einer der Gründe, weshalb der Großteil von uns mal nach Norwegen wollte und plötzlich waren sie da. Es war einfach nur magisch!
So langsam wird es weihnachtlich, in der Kräuterwerkstatt bereiten wir Kleinigkeiten für die Weihnachtszeit vor und über die Arbeit in der warmen Weberei freut man sich bei -10 Grad besonders! Ich glaube wir haben wirklich eine Chance auf weiße Weihnachten :))