Tragödie eines verdammten Landes

Reisereporter Andreas Altmann las im Westthüringer Kultursalon aus seiner Bestseller-Reportage

Mühlhausen, 20.Oktober 2014. Diese Buchlesung war keine Unterhaltung der heiteren Art. Ein schwerer Abend stand dem Publikum am Montagabend in der voll besetzten Stadtbibliothek Jakobikirche bevor. Die Besucher kamen nicht unvorbereitet. Das Land Palästina lässt die Herzen und Hirne der Menschen nicht unberührt. Jedenfalls nicht, wenn Reisereporter Andreas Altmann über seine Erlebnisse und Erfahrungen in diesem verdammten Land berichtet. Altmann, der, wenn er gerade nicht reist, in Paris lebt und arbeitet, ist kein Unbekannter in Mühlhausen. Fünf Mal schon las er aus seinem jeweils aktuellsten Buch.

Das »Heilige Land«

Es sind nicht nur die Geschichten aus dem Leben der anderen, die fesseln und die dem Leser oder Zuhörer hierzulande das Gefühl geben, ein Davongekommener, ein von gemeinen Schicksalsschlägen Verschonter  zu sein. Es ist die rabiate und schonungslose Art der Berichterstattung, die Altmann in schöne Sprache packt. So auch in seinem Buch "Verdammtes Land – eine Reise durch Palästina", das es binnen Kurzem auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat (wie übrigens einige seiner Bücher).

Altmann reiste für mehr als zwei Monate in  das »Heilige Land«, wohlwissend, dass es  in Wirklichkeit ein verdammtes Land, ein heikles Krisengebiet ist. Er erlebte, was er befürchten musste (da es ja beinah täglich in den Medien zu sehen, zu hören und zu lesen ist):  Unfrieden,  Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Aber, fragt Andreas Altmann, vielleicht ist dieses Land gerade deshalb verdammt, weil es Juden, Christen und Muslimen heilig sein muss?

Westthüringer Kultursalon mit Andreas Altmann
Reisereporter Andreas Altmann war zu Gast in der Mühlhäuser Stadtbibliothek.

Die Tragödie in Palästina

In Palästina  suchte Altmann darum die Nähe zu Juden, Muslimen und Christen. Er bereiste die Städte und Dörfer mit offenen Augen und Ohren, schamlos neugierig, immer auf der Suche nach den besonderen Geschichten, Erlebnissen und Begegnungen, die Antworten geben könnten. Er begegnete Menschen, die andere quälen, erniedrigen und demütigen und  Menschen, die gequält, erniedrigt und gedemütigt werden.  Er fragte Männer und Frauen nach ihrem Leben, ihren Wünschen, ihren Glücksvorstellungen und versuchte zu verstehen, was sie bewegt und woher der Hass kommt, der die Palästinenser gleichzeitig zu Opfern der israelischen Politik und manchmal zu Tätern macht.

Altmanns konsequent subjektive Reisereportage wird sicherlich nicht den seit Generationen gepflegten und geschürten Hass in diesem unheilvollem verdammten Land lindern können. Sie wird vermutlich keinen Einfluss auf die große Weltpolitik nehmen. Aber es öffnet dem Leser die Augen für die Tragödie in Palästina. 

Nächster Gast im Kultursalon am 17. November 2014

Andreas Altmann war Gast innerhalb der Veranstaltungsreihe "Westthüringer Kultursalon", einer  Initiative unserer VR Bank Westthüringen eG in Kooperation mit der Stadtverwaltung Mühlhausen und dem Mühlhäuser Kulturbund e.V. Die nächsten Gäste im Kultursalon sind  Ulf Annel und Verena Fränzel vom Erfurter Kabarett "Die Arche".  Innerhalb des Mühlhäuser Satireherbstes wollen sie am Montag, 17. November, ab 19.30 Uhr ihr Publikum mit ihrem Ringelnatz-Abend: "Jede Laune meiner Wimper..." unterhalten.