Wie bittersüße Schokolade: Ewig Dein Mozart

Cora Chilcott zelebrierte im Westthüringer Kultursalon ein kaleidoskopisches Monodrama

Mühlhausen: Von wegen er könne nicht  poetisch schreiben und könne nicht durchs Deuten und durch Pantomime seine Gesinnungen und Gedanken  ausdrücken. Er kann es. Und wie es dieser musikalisch hochbegabte Mozart - wunderbar glaubhaft verkörpert durch die Berliner Schauspielerin Cora Chilcott - kann.

Briefe von Wolfgang Amadeus Mozart

Seine überlieferten Briefe, adressiert an seine engsten Verwandten und seine großen Lieben, stellen einen zu tiefst empfindsamen Wolfgang Amadeus Mozart vor.

Und zwar in allen Belangen des Mensch-Seins. Da ist der junge, feurige, von seinem Testosteron-Spiegel getriebene Mozart, der nicht nur für seine Zeit - er wurde vor 260 Jahren geboren - deftige Worte für sein Begehren findet. Genauso temperamentvoll und unbedacht äußert er seine ungebremste Wut auf Ungerechtigkeiten durch Obrigkeiten des Klerus und Fürstentums.

Nein, dieser Mozart war Zeit seines Lebens kein Zurückhaltender. Seine Gefühle und Ansichten drückte er sehr deutlich aus, nicht nur in seiner Musik. Neben seinen unvergessenen Opern wie "Die Entführung aus dem Serail" und "Die Hochzeit des Figaro", "Don Giovanni" und "Die Zauberflöte" bezeugen dies zahlreiche Briefe aus seiner Feder. Berühmt sind vor allem seine Zeilen an das "Bäsle", welche durch ihre kindlich-albernen Ausgelassenheiten, aber auch obszönen Anzüglichkeiten, so manchen Mozart-Biografen des letzten Jahrhunderts erschaudern ließen, bis hin zu jenen Briefen, in welchen uns ein tiefempfindender und todtrauriger Amadé anrührt.

Westthüringer Kultursalon mit Cora Chilcott
Cora Chilcott brachte Wolfgang Amadeus Mozart in den Westthüringer Kultursalon. Foto: Iris Henning

Ewig dein Mozart

Eine ausgezeichnet getroffene Auswahl dieser Briefe, ergänzt mit musikalischen Zitaten, zelebrierte Cora Chilcott jetzt in ihrem Schauspiel-Solo-Programm "Ewig Dein Mozart" in der Stadtbibliothek Jakobikirche. Irgendwie war es, als säße man diesem ausgelassen-fröhlichen, zutiefst traurigen Menschen Mozart gegenüber, freute sich mit ihm, verzagte mit ihm, litt mit ihm, teilte mit ihm die bittersüße Schokolade des Lebens.

Nächster Westthüringer Kultursalon am 23. März 2016

Der Abend "Ewig Dein Mozart" am Freitag, 19. Februar, war eine Veranstaltung innerhalb der Reihe "Westthüringer Kultursalon", einer gemeinsamen Initiative der VR Bank Westthüringen eG in Kooperation mit der Stadtverwaltung Mühlhausen und dem Mühlhäuser Kulturbund. Nächste Gäste innerhalb des Westthüringer Kultursalons sind Tilo Richter und Mirko Hübner. Die  Wortakrobaten aus dem Erzgebirge präsentieren  am Mittwoch, 23. März, ab 19.30 Uhr, ihr Wortspielrätselbuch "Knob'l auch!". Karten dafür gibt es bereits im Vorverkauf in der Tourist-Information an der Ratsstraße.